Regel 4 – An erster Stelle stehen die Sicherheit Lady Fedoras und Sir Percivals.

By A. W. Benedict

Von einer Zofe wird erwartet, dass sie sich zu jeder Zeit, in der sie My Lady zur Seite steht, angemessen kleidet und ordentlich frisiert erscheint.

Filomena Arbuckle saß am Frühstückstisch und biss herzhaft in den knusprigen Toast. Da sie ihn mit einem Marmeladenberg versehen hatte, tropfte die süße Pracht in klebrigen Tropfen auf den Teller zurück.

Die Hausdame Mrs Argyle warf einen schrägen Blick zu dem Butler, der an der Frontseite des Tisches Platz nahm. Phillis stand auf, wie an jedem Morgen, ging in die Küche und servierte Mr Beanstock Porridge und einen aufgeschnittenen Apfel, Granny Smith, den bevorzugte der Butler.

Mr Beanstock hatte inzwischen sein kleines schwarzes Buch aus der Jackentasche genommen und schlug es auf. Die Anweisungen für den Tag wurden gemacht. Nachdem er dem Gärtner, dem Chauffeur und dem Hausmädchen die Aufgaben zugeordnet hatte, wandte sich sein Blick der Zofe My Ladys zu, die ihn nun kauend und mit großen Augen ansah.

Beanstock stockte der Atem.

„Filomena, Sie werden sich nach dem Frühstück in Ihr Zimmer begeben und Ihre Frisur richten!“, sagte der Butler mit etwas sehr starker Betonung.“

Filomena kaute unbeeindruckt weiter, biss erneut in ihren

Toast und verteilte Marmelade auf ihrer Bluse, da sie dabei versuchte mit den Augen zu ihren Haaren hinauf zu schielen.

Beanstock schloss die Augen.

Mrs Argyle trank schnell ihren Tee, etwas länger als angebracht und Phillis, das Küchenmädchen, kicherte.

„Bei dieser Gelegenheit wechseln Sie bitte auch die Kleidung. Heute werden Sie Lady Fedora und Sir Percival zu dem Herbstfest des Earls of Southcoffelton begleiten. Ich werde ebenfalls dabei sein.

Gonzales, der Wagen muss um Punkt zehn Uhr vor dem Portal warten.“ Beanstock warf noch einmal einen tadelnden Blick zu Filomena, dann aß er seufzend sein Porridge.

Um Punkt zehn Uhr stand der Bentley bereit.

Die Baronets waren bester Stimmung. Lady Fedora in einem grün karierten Hosenanzug und Sir Percival hatte bereits seine hohen Stiefel über den Knickerbockern. Filomena Arbuckle stand neben Lady Fedora. Beanstock holte zum Zweiten an diesem Morgen tief Luft. Sie hatte ein dünnes Kleid an und Absatzschuhe. Ihre Haare waren dafür akzeptabel und da keine Zeit blieb, die Kleiderfrage zu erörtern, ließ es der Butler dabei.

„Filomena, ich hoffe, Sie haben noch eine Jacke dabei. Es kann heute schon etwas kühl werden. Ich möchte nicht, dass Sie sich erkälten“, sagte Lady Fedora zu Filomena.

Die Zofe wies auf ihre Handtasche und nickte. Beanstock sah Unheil voraus.

Das Herbstfest in der Nähe des Wasserschlosses des Earls of Southcoffelton war in jedem Jahr eine Attraktion, die sich niemand der geladenen Gäste entgehen ließ.

Die Sonne schien, der goldene Herbst war wirklich golden und die wartende Gesellschaft vor dem Schloss bester Stimmung.

Gonzales blieb beim Wagen und Filomena nahm aus dem Kofferraum eine Tasche, in der sich warme Jacken für die Baronets und Mützen befanden.

Der alte Butler des Earls kam gemächlichen Schrittes mit einem Tablett und verteilte an die Gäste silbrige Becher mit alkoholischem Inhalt. Ohne dass es Beanstock bemerkte, griff sich Filomena einen Becher und trank. Schnell griff sie sich noch einen der Becher unter dem verdutzten Blick des alten Butlers.

Man machte sich fröhlich schwatzend auf den Weg. Es sollte den alten Weg zum See hinabgehen, dann auf die Anhöhe dahinter und weiter durch den Park zu dem mit leuchtendem Heidekraut bewachsenen Berg. Dort gab es Erfrischungen, bevor man sich auf den Weg nach dem nahen Pub The Water Edge machte, in dem das Essen serviert werden sollte.

 

Beanstock sah die Wolken bereits, als die anderen Gäste noch völlig ahnungslos waren. Er machte sich Sorgen. Auf dem Weg zum Berg durchquerte man ein Feuchtgebiet, das im Winter kaum betreten werden konnte. Im Moment war es noch trocken, aber das konnte sich schnell ändern. Er trat zu Sir Percival, um ihn darauf aufmerksam zu machen.

Der Baronet, der bereits rötliche Wangen hatte von dem guten Whisky, der die Runde machte, winkte ab und meinte, Beanstock solle den schönen Tag genießen.

Auf dem Lande ist das Wetter unberechenbar, vor allem im Herbst. Gerade noch scheint die Sonne warm und hell, im nächsten Augenblick schüttet es wie aus Eimern.

Der Regenguss erreichte die Gruppe in einem Moment, wo kein Baum oder Strauch in Sicht war. Man befand sich bereits kurz vor dem Berg. Der eben noch trockene Weg verwandelte sich in eine Sumpflandschaft.

Beanstock sah das Unheil kommen. Eine Pfütze ist nicht immer nur eine Pfütze. Er nahm My Ladys Arm und brachte sie in Sicherheit. Zum Glück gab es eine Baumreihe oben auf dem Berg. Dorthin geleitete der Butler auch Sir Percival. Die Baronets waren angemessen gekleidet, sie waren in Sicherheit. Beanstock sah sich nach Filomena um.

Die Zofe lag in der Pfütze, die wirklich eher einem kleinen Teich glich und ruderte mit den Armen. Nun war es auch nicht mehr schlimm, dass die Haare nicht saßen. Beanstock zog sie aus dem trüben Wassertümpel und legte ihr seinen Mantel um die Schultern. 

„Sie haben mich vollkommen vergessen!“, schniefte die Zofe und sah Beanstock unter Tränen vorwurfsvoll an.“

„Ich hätte ertrinken können!“, rief sie und wies auf die Pfütze, durch die in diesem Moment der Hund Lady Marjories sprang und sich noch nicht einmal den Bauch nass machte. Beanstock räusperte sich.

„Regel 4: An erster Stelle stehen die Sicherheit Lady Fedoras und Sir Percivals.“

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Die Beanstockreihe - bisher erschienen

Beanstock - Mord auf Parsley Manor

Mord auf
Parsley Manor

Beanstocks erster Fall:
Ein untergetauchter Spion und eine geheimnisvolle Mordserie.

Beanstock - Das Gänseblümchenkomplott

Das Gänseblümchenkomplott

Beanstocks zweiter Fall:
Eine Selbstmordserie in London und eine geheime Dienstbotenverbindung.

Die Barke des
Teremun

Beanstocks dritter Fall:
Ein geheimnisvoller Skarabäus und eine skrupellose Grabräuberbande

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Ein untergetauchter Spion und eine geheimnisvolle Mordserie.

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Ein geheimnisvoller Skarabäus und eine skrupellose Grabräuberbande